Der Safariklassiker im Roten Meer mit Großfischgarantie
„Und ihr seid da bestimmt unten am Heck reingetaucht und oben an der Brücke wieder raus“. Der verschmitzte Blick unseres Diveguides Mohamed verriet, dass dies von mir nur mit einem ehrlichen Ja beantwortet werden konnte. „Und ihr seid vom großen Boot reingesprungen und auch wieder aufgefischt worden“. Klar, wenn die Strömung besonders stark war, dann halt mit einem zugeworfenen Seil. Ein Zodiak gab es damals noch nicht, welches uns an das Wrack der Numidia bringen und wieder abholen konnte. Und wir standen auch nur mit zwei Booten an den Brother Islands, jenen Spitzen-Tauchplatz mitten in der Tiefsee des Roten Meeres, 80 km östlich von Ägypten und 100 km westlich von Saudi-Arabien. Unser Safariboot hieß Jasmin II und das andere Somaya, eines von Rudi Kneip´s legendären Schiffen mit in großen Lettern am Heck angebrachten Leitspruch „Wollt ihr tauchen oder tanzen“. Die Haie tanzten dann am Ende des Nachttauchganges um die Flossen. War schon eine wilde Zeit
Heute tauchen wir nicht mehr bis zum Heck der Numidia und auch nicht in der Nacht. Gesetzliche Tiefenlimits und Nitrox bremsen bei maximal 40 Metern den Abstieg. Dafür sind wir mit komfortablen Schiffen unterwegs, welche uns mit viel Platz an Bord und erfahrener Crew sicher in das Meer und auch wieder aus diesem heraus bringen.
Wir sind mit der M/Y Independence III auf klassischer Brothers – Daedalus – Elphinstone Tour unterwegs. Ein Superschiff unter deutscher Leitung, welches im Jahr 2022 den Betrieb aufnahm und seither mit einem neuen Konzept im Roten Meer aufkreuzt. Alle Kabinen sind auf dem Haupt- oder Oberdeck untergebracht, haben große Panoramafenster und somit einen herrlichen Blick auf den Ozean. Für ausreichende Belüftung sorgt ein darin eingelassenes Schiebefenster und auf dem Oberdeck kann zusätzlich die Türe aufgelassen werden. Küche und Restaurant sind im Unterdeck und selbst hier erlauben große Fenster für einen Fernseh-Blick nach draußen. Der gemütliche Salon auf dem Oberdeck ist Versammlungsort für Briefings, Materialausgabe, Büro usw. Alles ist hell und freundlich gestaltet und man fühlt sich sofort überall wohl an Bord. Zwei Tauchguides organisieren die Fahrten zum Tauchplatz, begleiten jeweils eine Gruppe unter Wasser, bringen die Gruppe an die Oberfläche und zum Zodiak zurück. Um die Sicherheit vor allem an Strömungsplätzen zu erhöhen, bekommt jeder der möchte, einen ENOS – Sender an das BCD.
Unsere wilde Zeit ist lange vorbei und somit auch der Traum vom einsamen Abenteuer. Die Marineparks sind seit vielen Jahren heißbegehrtes Ziel anspruchsvoller Tauchbegeisterter und in der Saison bewegt sich wöchentlich eine Armada an Tauchsafari Schiffen an die Riffe. Zugegeben, die vielen Zodiaks nerven schon ein bisserl, über wie auch unter Wasser. Wenn diese morgens ab 06:30 Uhr losgelassen und wie ein Fliegenschwarm um die Riffe kreisen, wird es zwischendrin schon laut. Andererseits ist es super bequem, direkt über den Spots abgesetzt und am Ende des Tauchgangs zuverlässig irgendwo unterwegs von seinem Bootsfahrer wieder zuverlässig abgeholt zu werden. Eigentlich wirklich faszinierend, dass bei dem Schiffsverkehr so viele Großfischbegegnungen möglich sind. Beim ersten Tauchgang an den Brothers zeigen sich gleich ein Hammerhai und ein Adlerrochen im Blauwasser. Der Korallenbewuchs ist wie vor Jahrzehnten immer noch beeindruckend und da hier nicht gefischt werden darf, ist auch genügend Schwarmfisch unterwegs. An allen Seiten fällt das Riff steil und sehr tief ab und falls hier eines Tages U-Bootfahrten angeboten werden, dann dürfte in großer Tiefe einiges an verlorenen Ausrüstungsgegenständen im Licht der Scheinwerfer aufblitzen.
Einen Tag später am großartigen Daedalus. Obwohl auch hier den ganzen Tag Tauchergruppen an die Nordseite gefahren werden, zeigen sich die Hammerhaie mit einer Zuverlässigkeit, wie es an keinem anderen Platz in Ägypten möglich ist. Bei einem Tauchgang kreisen 15 Tiere unter uns und schicken ihren Späher nach oben, um nach dem Rechten zu schauen. Wenn sich alle Taucher ruhig verhalten, kommen auch andere der Gruppe näher an die Taucher heran. Nach solchen Begegnungen sind Unterwasser-Freudensprünge, soweit es das Wasser zulässt, unvermeidlich und jeder erzählt nach Rückkehr an der Oberfläche begeistert von seiner eigenen Begegnung der dritten Haiart.
An dieser Stelle gleich ein dickes Lob an den ägyptischen Tauchguide Mohamed und seiner österreichischen Kollegin Renate. Beide leiten die Gruppen mit jenem ausgeglichenen Maß an Sicherheit und taucherischer Freiheit, welche man sich nur wünschen kann. Sympathisch, kompetent und mit Leidenschaft bei der Sache. Über und unter Wasser. Und nicht zu vergessen die fleißige und aufmerksame Crew, welche beim Tauchbetrieb immer schon mit zwei helfenden Händen zur Stelle sind, bevor du überhaupt daran denkst, so eine Hand zu brauchen. Taucher*in, was willst du mehr!
Als wir am Ende des zweiten Tauchganges am Elphinstone Reef gut zwanzig Minuten mit vier Longimanus Haien verbringen, ist nicht nur unsere Glückseligkeit am Höchstpunkt angelangt, sondern mindestens auch der Adrenalinspiegel.
Wunderbare intakte Korallengärten, Steilwände, umgeben von abertausenden bunten Rifffischen, Schwarmfischen, Großfische, aber auch Critters und fast immer Sonnenschein. Wo sonst bekommen wir Europäer nach knapp viereinhalb Stunden Flugzeit so viel großartiges Meer.